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Sonntag, 2. März 2014

Mit viel Schwung und Leidenschaft – aber ohne Erfolgserlebnis [SVS – 1860 0:0]

Der SV Sandhausen überzeugte gegen 1860 München, allein die Tore blieben aus

Unglaubliches spielte sich am Samstag im Hardtwaldstadion des SV Sandhausen ab. Die mit nur 19 Toren aus 22 Spielen schwächste Offensivreihe der 2. Bundesliga verzückte gegen die Münchener Löwen seine Fans über weite Strecken mit ansehnlichem Angriffsfußball und hatte Chancen für drei Spiele. Allein der Ball wollte nicht über die Torlinie.

„Das war mit das beste Heimspiel der Saison“, bescheinigte Jürgen Machmeier, der Präsident des SV Sandhausen seiner Mannschaft, „aber wenn man das Tor nicht schießt, dann kann man auch nicht gewinnen.“ Satte 24 Schüsse feuerten die Sandhäuser in Richtung des Münchener Gehäuses ab – vergeblich. Auch ganze zehn Eckbälle führten nicht zum ersehnten Erfolgserlebnis. Das torlose Unentschieden war am Ende eine gefühlte Niederlage für die Hausherren, Gästetrainer Friedhelm Funkel sprach nicht umsonst von einem „glücklichen Punktgewinn“ seiner Mannschaft und lobte den Gegner: „Sandhausen hat heute – wie schon die ganze Saison über – eindrucksvoll bewiesen, dass sie nach dem Lizenentzug Duisburgs zurecht in der 2. Bundesliga spielen.“
„Wir sind natürlich sehr enttäuscht,“ gab Rückkehrer Denis Linsmayer zu, „wir haben heute fußballerisch überzeugt, aber wurden dafür nicht belohnt.“ Der 22-jährige defensive Mittelfeldspieler der Sandhäuser hatte am vergangenen Samstag in der Auswärtspartie beim Karlsruher SC noch wegen einer Gelbsperre gefehlt und wurde schmerzlich vermisst. Gegen die Sechziger glänzte er dann als Initiator des Sandhäuser Offensivspiels und sorgte mit einem gefährlichen Distanzschuss selbst für Torgefahr (41. Minute). 
Wie auch bei vielen anderen Möglichkeiten der Gastgeber, war 1860-Keeper Gabor Kiraly aber zur Stelle und hielt sein Team mit tollen Paraden im Spiel. Bei den insgesamt enttäuschenden Sechzigern, die nur eine etwa zehnminütige Drangphase nach der Pause hatten und ansonsten fast schon lustlos wirkten, war er der einzige der zu überzeugen wusste, wie auch SVS-Stürmer Nicky Adler feststellte: „Kiraly hat einen wirklich guten Tag erwischt.“
Die fehlende Sandhäuser Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor auf einen gut aufgelegten Gäste-Torwart abzuwälzen, wäre aber zu leicht. 

Es war zum verzweifeln – auch Adler traf nicht.
Quelle: morgenweb.de
Von Beginn an war man dem Gegner, wie im Hinspiel in der Allianz-Arena (2:0), deutlich überlegen. Chancen ergaben sich im Minutentakt. Neben Linsmayer scheiterte Tüting mit einem Kopfball an Kiraly (4.), Stieflers Schuss wurde im letzten Moment von einem Verteidiger der Löwen abgefälscht (5.), Jovanovic setzte seinen Kopfball aus kurzer Distanz am Gehäuse vorbei (20.), Adler traf nur das Außennetz (42.), Schulz scheiterte per Kopf an der Latte (73.) und der für Adler gekommene Diakite (90.+2) versäumte es, kurz vor Schluss doch noch den goldenen Siegtreffer zu erzielen – um nur die besten Torchancen zu nennen. Dazu kommt, dass die Kurpfälzer die letzten 25 Minuten sogar in Überzahl absolvierten, nachdem Sechziger Kai Bülow wegen wiederholtem Foulspiels die gelb-rote Karte sah. Die für die Heimfans unter den 5300 Zuschauern aber wohl am schlimmsten zu ertragende, vergebene Möglichkeit ereignete sich, nachdem etwas mehr als eine Stunde gespielt war. 
Nach einem Freistoß standen vier Sandhäuser völlig blank vor dem Kasten, weil der Münchener Weigl das Abseits aufgehoben hatte, Adler köpfte genau auf Kiraly und SVS-Verteidiger Daniel Schulz brachte es fertig, den Ball im Fünfmeterraum noch über statt ins Tor zu dreschen – unfassbar! Schulz dazu: „Da war ich zu überrascht, aber natürlich hätte ich ihn machen müssen.“ Wie heißt es so schön: Hätte, hätte – Fahrradkette. Am Endergebnis und zwei verschenkten Punkten ändert das leider nichts.
„Heute hat das Quäntchen Glück gefehlt“, meinte Adler später. Sein Trainer Alois Schwartz formulierte das etwas anders: „Wir wollten heute viel auf Abschluss spielen. Das hat ja auch geklappt“, sagte der Fußballlehrer, „aber in den entscheidenden Momenten hat die Ruhe und Abgeklärtheit gefehlt.“
Trotzdem versucht man am Hardtwald das Positive aus dieser Partie mitzunehmen: „Wir haben heute mit viel Schwung und Leidenschaft gespielt,“ freute sich Schwartz und lobte: „Die Mannschaft hat die richtige Antwort auf die Niederlagen gegen Köln und Karlsruhe gegeben.“ Schlussendlich müsse man mit dem Punkt leben und sei auch nicht ganz unzufrieden damit, schließlich sei damit die im Vorfeld ausgegebene Zielsetzung erfüllt worden.

Am nächsten Freitag können es die Sandhäuser dann besser machen mit dem Toreschießen, dann geht es nämlich nach Kaiserslautern auf den Betzenberg. Alois Schwartz, der sechs Jahre lang die zweite Mannschaft der Pfälzer trainierte, kann es schon jetzt kaum erwarten: „Ich freue mich auf das schöne Stadion, die tolle Atmosphäre und viele alte Bekannte.“ Geschenke für die zuletzt arg gebeutelten Lauterer wird es aber nicht geben. „Wir fahren natürlich dorthin, um zu gewinnen“, gibt der Coach schonmal die Marschrichtung vor.
Sechzig-Trainer Funkel, der als Spieler von 1980-83 ebenfalls in der Pfalz aktiv war, ist guter Dinge für den SVS: „Ich denke, Sandhausen kann Kaiserslautern am Freitag ganz schön ärgern.“

SV Sandhausen: Riemann – Schauerte, Schulz, Olajengbesi, Achenbach – Linsmayer, Tüting – Stiefler, Thiede (67. Blum) – Jovanovic, Adler (82. Diakite)
1860 München: Kiraly – Schindler, Vallori, Bülow, Hertner – Stark – Steinhöfer, Adlung (61. Bierofka), Weigl, Stoppelkamp – Osako (88. Wood)

Zuschauer: 5300; Schiedsrichter: Harm Osmers; Gelbe Karten: / - Vallori, Stark, Steinhöfer; Gelb-Rote Karte: Bülow (65.)

Montag, 30. Januar 2012

23. Spieltag: SV Sandhausen - SpVgg Unterhaching 28.01.12 | 3:1

Endlich. Nach zuletzt vier sieglosen Spielen schlägt der SV Sandhausen am heimischen Hardtwald die SpVgg Unterhaching mit 3:1. Nach einem über weite Strecken berauschenden Spiel, in welchem David Ulm zum Spieler des Spiels avancierte, haben die Sandhäuser also den befürchteten Fehlstart abgewendet und sind nun wieder Tabellenführer der 3. Liga. Jedoch dadurch begünstigt, dass das Spiel zwischen Regensburg und Osnabrück den schlechten Witterungsverhältnissen zum Opfer gefallen war und nicht stattfinden konnte. Es war für den SVS das 18. Heimspiel in Folge, in dem man nicht verlor. Die letzte Niederlage am Hardtwald ist auf den 11.02.2011 (24. Spieltag: 1:2 gegen Heidenheim) datiert.

Zum Spiel:


Nach der Niederlage in Darmstadt gab es zwei Änderungen in der Anfangself. Für Kristjan Glibo und Roberto Pinto spielten Jan Fießer und Danny Blum.

Nach der 1:4-Niederlage in Darmstadt musste die Mannschaft Wiedergutmachung betreiben um den Fehlstart zu verhindern. Außerdem hatte man schon vier Spiele in Folge nicht mehr gewonnen und wollte unbedingt die drei Punkte einfahren - immerhin steht, wenn man die derzeitige Situation betrachtet, die 2. Liga in Aussicht. Auch ging es an diesem Tag um die Wiedereroberung der Tabellenführung, denn, wie im Vorfeld bekannt wurde, musste das Spiel zwischen Regensburg und Osnabrück abgesagt werden. Dabei sollte auch der neue aber nicht als Dauerlösung gedachte Trikotsponsor "Machemeier Energy" helfen. Die neue Solar-Firma des Sandhäuser Präsidenten wird bis zum Saisonende die freie Werbefläche der Trikotbrust zu Werbezwecken nutzen.

Die Hachinger wollte aus Sandhausen mit mindestens einem Punkt zurückkommen, schließlich wurden die letzten sieben (!) Spiele in der Fremde allesamt verloren. Warum also nicht gegen die Sandhäuser den Negativtrend stoppen ? Zwar spielte man gegen den Tabellenzweiten, dieser jedoch hatte es bekanntlich in den letzten vier Partien nicht geschafft zu gewinnen. Man wollte also die Gunst der Stunde nutzen.

Nur wenige Sekunden nach dem Anpfiff wären die Sandhäuser beinahe auf dem falschen Fuß erwischt worden. So konnte Pischorn aber einen Torversuch der Spielvereinigung noch rechtzeitig klären. Sandhausen danach jedoch wach. Kurz nach der Hachinger Möglichkeit war dann Platz zum kontern da und Neuzugang Nico Klotz hatte die Führung für den SVS eigentlich schon auf dem Fuß, fand jedoch in Haching-Schlussmann Riederer seinen Meister. Die Sandhäuser jetzt, im Vergleich zu den letzten Spielen, mit einer völlig anderen Körpersprache. Vor allem im Mittelfeld wurden immer wieder Angriffe der Hachinger gestoppt, Zweikampfstärke und schnelles Umschalten bestimmten das Sandhäuser Spiel. So sorgte David Ulm, über den an diesem Tag so ziemlich jede Offensivaktion eingeleitet wurde, für die frühe Führung der Hausherren in der 6. Minute. Das erste Tor war das Musterbeispiel zu den genannten Eigenschaften des Sandhäuser Spiels: Marco Pischorn erobert den Ball an der Mittellinie, spielt eine lang Flanke in Richtung des gegnerischen Strafraums, die Kandziora mit dem Kopf zu Löning verlängert. Löning legt den Ball in die Mitte, wo David Ulm lauert und vom Elfmeterpunkt in die rechte Ecke abzieht. Auch nach dem Führungstor waren die Sandhäuser die klar bessere Mannschaft und hätten bis zur Pause eigentlich alles klar machen müssen. Jedoch ließ man in Person von Klotz, Danneberg, Fießer und Blum hochkarätige Chancen liegen. So führte man zur Halbzeitpause "nur" mit 1:0.

Die beiden Mannschaften erschienen früh wieder auf dem Spielfeld, wovon sich das Schiedsrichtergespann jedoch nicht zur Eile drängen ließ. Nach exakt 15 Minuten wurde die Partie wieder angepfiffen. Es ging weiter wie es vor dem Pausenpfiff aufgehört hatte. Sandhausen war die bessere Mannschaft, Sandhausen mit  Zug zum Tor, Sandhausen steht sich selbst im Weg, was das Toreschießen anbelangt. Symbolisch dafür eine Szene kurz nach Wiederanpfiff: Nach einer Ecke stehen sich im Hachinger Strafraum Danneberg und Schulz beim Abschluss gegenseitig im Weg. Dann auch mal die Hachinger - und wie: Der Hachinger Niederlechner schob im Strafraum locker ein, jedoch entschied Schiedsrichter Markus Wingenbach auf Abseits - eine falsche Entscheidung, wie die TV-Aufnahmen später bewiesen. Auch der SVS antwortete in der Folge zweimal durch Löning. Bei der ersten Chance vergab Löning aus wenigen Metern vor dem freien Tor, bei der zweiten traf er per Kopf, was jedoch wieder durch den Referee wegen vermeintlicher Abseitsposition abgepfiffen wurde - auch bei dieser Entscheidung lag Wingenbach falsch. Es war jedoch auch symbolisch für die momentane Situation des Sandhäuser Kapitäns. Er ackert und kämpft, spielt gute, kluge Pässe, einzige vor dem Tor vergibt er fahrlässig seine Chancen. Wenn er dann, wie in diesem Spiel trifft, zählt das Tor nicht. So glänzt er auch in der nächsten Situation als Vorbereiter: Er spielt einen langen Ball in die Spitze auf Danny Blum, der die Kugel aus halblinker Position zum 2:0 ins lange Ecke zimmert. Ein Traumtor. Danny Blum, der Gewinner der offensiveren Systemausrichtung, immerhin hatte er den Vorzug vor dem routinierten Roberto Pinto erhalten, zahlt seinem Trainer das Vertrauen zurück.
Zehn Minuten vor Schluss wurde es dann nochmal spannend. Die Hachinger erzielten, wie aus dem Nichts, in der 79. Minute das Anschlusstor durch Vollmann, bei dessen Schuss der Ball unhaltbar für Daniel Ischdonat abgefälscht wurde. Kurz vor dem Abpfiff machte dann der beste Mann auf dem Feld sein zweites Tor an diesem Tag und sorgte damit für die Entscheidung, der eingewechselte Roberto Pinto konnte sich nochmal als Vorbereiter auszeichnen. Ulm schoss relativ schwach von der Strafraumgrenze - eigentlich durchaus haltbar für den sonst so guten Riederer. Das kümmerte die Sandhäuser danach nicht mehr. Das Spiel war entschieden, man hatte nach vier sieglosen Spielen endlich wieder gewonnen und die Tabellenspitze zurückerobert. Das Thema Chancenverwertung wurde jedoch auch noch nach Abpfiff heiß diskutiert.


Kommentar:


Na also ! Ob unser Trainer Gerd Dais wohl das SVS-Fanforum liest, in welchem nach dem Darmstadtspiel der Schrei nach einer offensiveren Spielweise erklang ? Fakt ist zumindest, dass die offensivere Systemumstellung gefruchtet hat, unsere Jungs überrannten Haching ja regelrecht. Obwohl das Spiel gewonnen wurde, gibt es aber genug zu meckern. Das Spiel hätte viel, viel früher entschieden worden müssen, denn man hatte wieder Chancen, die andere Mannschaften nicht mal für drei Siege brauchen - siehe Aalen, die aus vier Chancen gegen Wiesbaden drei Tore machten. Dass ein Danny Blum getroffen hat freut aber umso mehr, denn er spielte in der Vergangenheit zumeist gut, versagte aber sehr oft vor dem Tor. David Ulm, über den heute mal wieder alles lief, war mit Abstand der beste Spieler auf dem Feld, da kann sich mancher Zweitligaspielmacher noch viel von David abschauen, so wie er im Moment in Form ist. Nächsten Samstag spielt der SVS in Bielfeld. Man darf gespannt sein, wie sich das neue System gegen einen im Moment besser aufgelegten Gegner schlägt, immerhin hatte Unterhaching nicht nur dieses, sondern auch die letzten sieben Auswärtsspiele verloren und war nicht wirklich ein Maßstab. Vielleicht erledigt sich dann auch die Ladehemmung bei unserem Kapitän Frank Löning, der schon seit Ende Oktober nicht mehr getroffen hat und am Samstag beim Abschluss erneut eine unglückliche Figur machte.

Zu der Zuschauerzahl bleibt noch zu sagen, dass es mittlerweile soweit ist, dass ich anfange mich zu schämen. Da muss man sich mal vor Augen führen, dass der SV Sandhausen Tabellenzweiter vor dem Spiel, nun wieder Erster ist und es kommen 1800 Zuschauer...Ansonsten an diesem Tag aber ein toller Support der aktiven Fans.



SV Sandhausen: Ischdonat - Schauerte, Pischorn, Schulz, Kandziora - Fießer - Klotz (73. Pinto), Danneberg, Ulm (90. Imbs), Blum (81. Blacha) - Löning
SpVgg Unterhaching: Riederer - Schwabl, Ziegler, Drum, Stegmayer - Avdic (19. Kanca), Sternisko (65. Vollmann), Thiel, Bigalke - Tunjic, Niederlechner
Gelbe Karten: Danneberg  - Sternisko, Vollmann
Tore: 1:0 Ulm (6.), 2:0 Blum (70.), 2:1 Vollmann (79.), 3:1 Ulm (88.)
Zuschauer: 1800
Schiedsrichter: Wingenbach (Diez)