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Montag, 12. August 2013

Die Angst vorm Siegen [SVS - Cottbus 2:2]

Die gute Nachricht zuerst: Nach fast achteinhalb Stunden ist es dem SV Sandhausen gelungen, mal wieder ein Tor aus dem Spiel heraus zu erzielen. Die schlechte Nachricht: Auch nach dem dritten Ligaspiel warten die Sandhäuser weiter auf den ersten Saisonsieg.
Die Gesichter der Protagonisten waren an diesem Sonntagnachmittag sehr einfach zu deuten. Meist war es eine Mischung aus Enttäuschung und Ratlosigkeit. Selbst ein Jovanovic, der nicht nur den Torfluch besiegte, sondern auch sein erstes Saisontor erzielte und so seinem Trainer das Vertrauen zurückzahlte, konnte nicht fassen was gerade passiert war: „Wenn du 2:0 führst, dann hast du den Gegner in der Hand. Wir haben Angst gehabt. Ich weiß nicht vor was, vielleicht vorm Siegen.“ Tatsächlich ist es jetzt schon eine geraume Zeit her, dass der SV Sandhausen in der Liga als Sieger vom Platz ging. Zuletzt beim 3:1 gegen Ingolstadt, am 4. Mai - das sind über drei Monate!

Dabei sah zunächst alles nach einem ungefährdeten Heimspielerfolg aus. Nach knapp 20 Minuten hatten die elf Pokalhelden den Ball bereits zweimal im Tor der Gäste untergebracht. Die Zuschauer im Hardtwaldstadion mussten nicht lange warten, bis sie das erste Mal jubeln durften. Bereits nach neun Minuten erzielte Julian Schauerte per Strafstoß die Führung für die Hausherren, die von Anfang an engagiert zu Werke gingen. Kister war zuvor im Strafraum zu Fall gekommen. Nur zwei Minuten nach dem Elfmeter hätte es fast ein zweites Mal im Tor der Gäste eingeschlagen, Schulz kam nach einem Achenbach-Freistoß aus kurzer Distanz zum Kopfball, doch Energie-Schlussmann Almer war zur Stelle.
Cottbus wollte in der Folge den Ausgleich, doch das bot Sandhausen Räume zum Kontern. So auch beim 2:0, als Zimmermann nach Ballgewinn schnell schaltete und Jovanovic mit einem langen Ball in Szene setzte. Jovanovic zeigte, warum Sandhausen ihn geholt hatte, als er Almer umkurvte und einschob.
Cottbus zeigte sich jedoch unbeeindruckt und machte weiter das Spiel. Nachdem fast eine halbe Stunde am Hardtwald gespielt war, gelang dann den Lausitzern der Anschlusstreffer. Sanogo spielte Kruska in guter Schussposition an und dieser hämmerte den Ball in die Maschen. Riemann sah beim Gegentor etwas unglücklich aus, er stand zu weit vor dem Tor und zeigte keinerlei Reaktion. Diese erste Szene im SVS-Trikot, in der er nicht gut aussah, verunsicherte Riemann offenbar, zeigte er doch in der Folge weitere Unsicherheiten bei hohen Bällen und Eckstößen. Bis zum Ende der ersten Hälfte passierte nicht mehr viel und so lautete die allgemeine Frage im Hardtwaldstadion: Schafft es Sandhausen die Führung auch in der zweiten Hälfte zu behalten?

von rp-online.de
Für die Antwort sorgte Boubacar Sanogo nach fast einer Stunde. Stiepermann überwand die schlafmützige SVS-Abwehr durch einen mustergültigen Pass auf den Ivorer, der Riemann umspielend den Gleichstand herstellte. Der Ausgleich hatte sich angekündigt. Zwar hatten die Sandhäuser nach der Pause eine hochkarätige Chance durch Knoll, aber danach zog die Energie ihren berüchtigten Offensivfußball auf und setzte das Tor der Hausherren gehörig unter Druck. Auch nach dem Tor spielten die Lausitzer den besseren Fußball, die Sandhäuser wollten zwar, aber blieben gerade im Angriffsspiel etwas unglücklich, auch die Einwechslungen von Ulm, Stiefler und Löning brachten keinen Erfolg. Immerhin hatte sich Riemann wieder gefangen und brillierte mit schönen Paraden. Am Ende musste sich Sandhausen mit dem einen Punkt zufriedengeben, war Cottbus doch vor allem in der zweiten Hälfte spielerisch überlegen.

Das findet auch Geschäftsführer Otmar Schork: „Nach der 2:0-Führung hab ich mehr erwartet, aber Cottbus war am Ende klar besser.“ Die Spieler versuchten nach dem Spiel zu analysieren, was in der zweiten Halbzeit, nach der Zwei-Tore-Führung, passiert war. Jovanovic beschrieb dies am passendsten: „Es gab einige Situationen, in denen wir keine Ruhe hatten. Da haben wir unnötig Bälle abgegeben.“ Auch Schwartz sprach von vielen „Annahme- und Passfehlern“ und davon, dass seine Mannschaft in der zweiten Hälfte „immer einen Schritt zu spät“ war.
Das Offensivspiel stockt weiter, trotz des einen Tores aus dem Spiel heraus, Kulovits bringt es auf den Punkt: „Uns fehlt die letzte Wille, die Kaltschnäuzigkeit im Sechzehner.“

Mit dem Toreschießen kennt sich eigentlich ein Frank Löning aus, der heute aber wieder gegenüber Jovanovic den Kürzeren zog. Mit den elf Saisontoren der letzten Saison hatte der 31-Jährige eigentlich die Latte für diese Saison hochgesetzt, doch eine Entzündung im Knie warf ihn zurück und jetzt kommt er nicht richtig in Tritt. Löning bestätigt: „Ich bin noch nicht ganz fit.“ Jedoch könne er mit der Situation gut umgehen, stelle sich in den Dienst der Mannschaft und strenge sich an, baldmöglichst wieder in die diese zu kommen.
Bald könnte es aber noch schwerer werden, denn die Verantwortlichen wollen wohl noch einen Stürmer holen. (Un)Stürmische Zeiten also für Löning.
In einer noch schlechteren Position befindet sich Aufstiegsheld Marco Pischorn. Unter Schwartz ist er aufs Abstellgleis geraten; ihm wurde vergangene Woche mitgeteilt, dass er nur noch Stürmer Nummer fünf ist, hinter Kister, Schulz, Olajengbesi und Hübner. Äußerst bitter für einen Spieler mit seinen Verdiensten.

Am Samstag geht es nach Köln und Jovanovic ist „guter Dinge, denn wir haben uns, bis auf diese zweite Halbzeit heute, in der Saison gut präsentiert.“ Eins sollten die Sandhäuser in Köln aber besser nicht haben, denn irgendwann müssen die Punkte her: Angst vorm Siegen.


Sandhausen: Riemann - Schauerte, Kister, Schulz, Achenbach - Zimmermann, Kulovits - Klotz (79. Ulm), Thiede, Knoll (67. Stiefler) - Jovanovic (79. Löning)
Cottbus: Almer - Schulze, Möhrle, Börner, Bittroff - Banovic, Kruska - Takyi (83. Susic), Fomitschow (67. Rivic) - Stiepermann, Sanogo (75. Mosquera)
Schiedsrichter: Petersen (Stuttgart) - Zuschauer: 3200 - Tore: 1:0 Schauerte (9./Foulelfmeter), 2:0 Jovanovic (21.), 2:1 Kruska (29.), 2:2 Sanogo (58.) 

Donnerstag, 29. November 2012

Der Glaube und die Hoffnung sind zurück [SVS - Cottbus 3:1]

Nach dem geglückten Debüt für Hans-Jürgen Boysen am Sonntag, in Ingolstadt (1:1), rollte das Leder in den deutschen Profiligen schon unter der Woche ein weiteres Mal. Der SV Sandhausen empfing am heimischen Hardtwald den Tabellenvierten aus der Lausitz. Das Spiel gegen Cottbus war das Heimdebüt für Boysen und er formulierte im Vorfeld der Partie, trotz der sehr unterschiedlichen Tabellensituation der beiden Mannschaften, eine klare Zielvorgabe: "Wir wollen gewinnen."
Manch ein Sandhäuser Fan mag bei dieser Aussage mit dem Kopf geschüttelt haben, weil er der Mannschaft, gemessen an den Leistungen der letzten Wochen, einen solchen Kraftakt nicht zugetraut hatte. Er wurde eines besseren belehrt. Sandhausen schlug an diesem Mittwochabend Cottbus mit 3:1 -und das absolut verdient. Es war der erste Sieg seit sieben Spielen für die Sandhäuser, die zugleich die "rote Laterne" abgaben und nun den Relegationsplatz belegen. Nach dem Schlusspfiff war die Stimmung im Stadion sehr ausgelassen und die Verantwortlichen atmeten sichtlich auf. Jürgen Machmeier sprach von einem "hochverdienten Sieg.", und bescheinigte der Mannschaft "Zweitligatauglichkeit." Auch Boysen lobte seine Mannschaft: "Sie haben einen brutal guten Charakter, dafür wird man belohnt."

Dabei sah es zunächst nach einer weiteren Niederlage der Sandhäuser aus.
Boysen versetzte Onuegbu wegen der schlechten Leistungen der letzten Wochen auf die Bank und gab Andrew Wooten die Chance, neben Frank Löning zu spielen. Simon Tüting hatte sich im Spiel gegen Ingolstadt den Arm gebrochen und musste ersetzt werden. Boysens überraschende Lösung: Julian Schauerte, der seine Sache aber sehr gut machte. Auf den Flügeln durften diesmal Kandziora und Klotz von Beginn an spielen.
Vor einer dem Wetter und der ungünstigen Anpfiffzeit geschuldeten Minuskulisse von gerade mal 2650 Zuschauern begannen die Sandhäuser engagiert und den Gegner früh störend, gleichzeitig aber aus einer sicheren Ordnung heraus agierend. Das Problem: Bei Ballbesitz fehlten die Genauigkeit im Abspiel und die Anspielstationen, so dass, wie schon in den letzten Spielen, das Offensivspiel der Gastgeber praktisch nicht stattfand. Aber auch Cottbus tat sich schwer, denn die Sandhäuser Defensive stand wie ein Fels in der Brandung. In den ersten zwölf Minuten und zwölf Sekunden des Spiels gab es am Hardtwald das große "Schweigen im Walde". Sowohl Heim- als auch Auswärtsfans verweigerten im Rahmen der Aktion "12:12 - Ohne Stimme keine Stimmung" in dieser Zeit die Unterstützung ihrer Teams.
In einer chancenarmen ersten Hälfte stimmte die Abstimmung in der Sandhäuser Hintermannschaft nur ein einziges Mal nicht. In der 34. Minute erzielte Energie-Kapitän Möhrle nach einem Freistoß per Kopf die Führung für die Gäste. Die Sandhäuser gingen mal wieder mit einem Rückstand in die Pause.

"Wir waren mit dem Rückstand nicht zufrieden und wollten mehr. Ich habe die Mannschaft in der Halbzeit zu mehr Risikobereitschaft aufgefordert und sie hat das eins zu eins umgesetzt," schilderte Boysen nach dem Spiel. Tatsächlich kamen die Sandhäuser wie verwandelt aus der Kabine. Sie spielten forsch nach vorne und kämpften leidenschaftlich. Nachdem sich die Gastgeber eine Vielzahl von Eckbällen herausgespielt hatten, aus denen sie jedoch kein Kapital schlagen konnten, gellte nach knapp einer Stunde der Pfiff des Schiedsrichters durch das Stadion und der Arm deutete in Richtung des Elfmeterpunktes. Börner habe den Ball mit der Hand gespielt, was Energie-Trainer Bommer nach der Partie mit "so macht man das Spiel kaputt," kommentierte. Den ersten Elfmeter der Saison verwandelte Andrew Wooten souverän zum Ausgleich, der Jubel war groß. Beide Mannschaften gaben sich in der Folge mit dem Unentschieden nicht zufrieden. Nur fünf Minuten nach dem Tor für die Sandhäuser scheiterten die Cottbuser an Pfosten und Daniel Ischdonat. Statt der erneuten Führung für die Gäste gab es auf der anderen Seite den zweiten Elfmeter für die Sandhäuser - wieder wegen eines Handspiels. Kapitän Möhrle war der Übeltäter. Wieder schoss Wooten, diesmal sehr unplatziert, so dass Kirschbaum den Ball hielt, sich im Nachschuss jedoch trotzdem geschlagen geben musste. Der selbstbewusste Deutsch-Amerikaner erklärte, "Ich hab mir dann einfach den Ball geschnappt, weil keiner kam. Beim zweiten wollte ich den Torwart ausgucken, aber er ist lange stehengeblieben, zum Glück war es nass." Sandhausen hatte das Spiel gedreht. Noch 20 Minuten waren zu spielen und die Sandhäuser zogen sich immer mehr in die eigene Hälfte zurück und lauerten allenfalls auf Kontermöglichkeiten. Cottbus drängte auf den Ausgleich, biss sich an der Sandhäuser Defensive jedoch die Zähne aus. In der 89. Minute leitete dann der Mann des Tages auch noch das dritte Tor für die Sandhäuser ein. Nach einem Ballverlust der aufgerückten Cottbuser, machte Wooten das Spiel schnell und schickte seine beiden Sturmkollegen, Löning und den eingewechselten Onuegbu auf die Reise. Onuegbu lieferte die Flanke zu Lönings sehenswertem Flugkopfball - der Schlusspunkt der Partie.
"Wir haben heute nicht gegen irgendjemanden gewonnen. Die taktischen Vorgaben wurden erfüllt und es stand wieder eine Mannschaft auf dem Platz, denn jeder hat für jeden gekämpft," resümierte Machmeier und Schork war sehr zufrieden mit der Verpflichtung seines Freundes als neuen Trainer: "Der neue Trainer hat uns neues Leben eingehaucht." Der Glaube und die Hoffnung sind als zurück am Hardtwald, am Samstag steht bereits das nächste Spiel in Aue an. Dann könnte der SV Sandhausen bei einem Sieg sogar die Abstiegsränge verlassen.



Sandhausen: Ischdonat - Falkenberg, Schulz, Pischorn, Achenbach -Fießer, Schauerte - Klotz (82. Onuegbu), Kandziora (90+1. Glibo) - Löning, Wooten (90+2. Morena). 

Cottbus: Kirschbaum - Bitroff, Möhrle, Börner (85. Farina), Rippert - Banovic, Brinkmann (70. Glasner) - Sörensen, Adlung - Stiepermann (61. Fandrich), Sanogo. 

Tore: 0:1 Möhrle (34.), 1:1 Wooten (59./Elfmeter), 2:1 Wooten (66./Elfmeter), 3:1 Löning (90.).

Schiedsrichter: Dingert (Thallichtenberg) 

Zuschauer: 2.650