Sonntag, 6. April 2014

Torspektakel am Hardtwald [SVS – SCP 2:3]

Sandhausen gibt zweimal die Führung aus der Hand und verliert gegen St. Pauli

Ungewohnt spektakulär und torreich ging es am Samstagnachmittag am Hardtwald zu. Die Sandhäuser, in der Liga eigentlich als Defensivspezialisten bekannt, kassierten gegen den FC St. Pauli drei Gegentore, so viele wie in den letzten fünf Partien zusammen. Gut, das gab es in dieser Saison schon einmal, als der SVS in der Hinrunde bei Union Berlin mit 0:3 verlor. Aber, dass die Kurpfälzer auch noch selbst zwei Tore erzielen, ist schon außergewöhnlich. „Für den neutralen Zuschauer war das sicher schön mit anzusehen“, vermutet Sandhausens Trainer, Alois Schwartz, „für uns war es einfach nur bitter“.
Quelle: abendblatt.de
Bitter, weil die Hausherren nach ereignisarmer und ausgeglichener erster Halbzeit im zweiten Durchgang zweimal in Führung gingen, am Ende jedoch mit leeren Händen dastanden. „St. Pauli war am Ende einfach cleverer als wir“, begründete Stürmer Danny Blum die Niederlage. Der 23-Jährige hatte kurz nach der Halbzeitpause mit einem sehenswerten Schuss ins lange Eck den Torreigen eröffnet, nachdem Linsmayer im Mittelfeld den Ball von St. Paulianer Maier erobert hatte (50. Minute). Die Antwort der Gäste ließ jedoch nicht lange auf sich warten. Gonther überwand nach einem Freistoß SVS-Torwart Riemann im zweiten Versuch per Kopf (55.). Durch einen dicken Bock von St. Pauli-Verteidiger Kalla ging der SVS durch Nicky Adler erneut in Führung (70.), ehe die Gäste aus Hamburg die Partie innerhalb von zwei Minuten durch Treffer von Schachten (76.) und Rzatkowski (78.) für sich entschieden. „Wir haben die Punkte heute hergeschenkt“, gab Torschütze Adler geknickt zu. Und Sechser Simon Tüting sagte: „Wir sind natürlich enttäuscht. Ein Unentschieden wäre gerecht gewesen.“ Hilft alles nichts. 

Doch wie kam es überhaupt dazu, dass die in 15 von 28 Spielen unbezwungene Defensive der Sandhäuser innerhalb von zwei Minuten gleich zweimal hinter sich schauen musste? Während Präsident Jürgen Machmeier und Geschäftsführer Otmar Schork eine Teilschuld fälschlicherweise, wie die Fernsehbilder zeigen, bei Schiedsrichter Martin Thomsen suchten, sah Fußballlehrer Schwartz diese eher bei seiner Mannschaft. „Wir haben nach dem 2:1 die Seiten aufgemacht, zu offensiv gespielt und waren zu euphorisch“, erklärte er und Tüting fügte hinzu: „Wir haben, als wir zum zweiten Mal in Führung gegangen sind, irgendwie den Faden verloren“. Am Ende war es aber auch die Kaltschnäuzigkeit der St. Paulianer vor dem gegnerischen Tor, die entscheidend war. Denn von seinen vier Großchancen nutzte der SCP drei, nur der eingewechselte Trybull scheiterte an Riemann (88.). Die Gastgeber dagegen vergaben zu viele gute Möglichkeiten. Thiede schoss in der ersten Halbzeit nur noch SCP-Keeper Tschauner vor sich habend neben statt ins Tor (22.), Tüting scheiterte per Distanzschuss und Seitfallzieher (zweimal 64.) und Ulm stolperte über den Ball (86.). Die 8050 Zuschauer am Hardtwald, von denen etwa 2500 aus Hamburg angereist waren, kamen in jedem Fall auf ihre Kosten, mit dem schlechteren Ende für die Sandhäuser. Geschäftsführer Schork betonte: „Es haben heute Nuancen entschieden“.
Einen positiven Nebeneffekt hat die Niederlage aber. Der drittplatzierte SC Paderborn war am Freitag Düsseldorf mit 1:2 unterlegen. Bei einem Sieg am Samstag gegen St. Pauli wäre der SVS nicht nur bis auf fünf Punkte an Paderborn herangerückt, sondern hätte sich auch auf Platz vier geschoben. Die Aufstiegseuphorie wäre vorprogrammiert gewesen. 

Der SV Sandhausen kann also in aller Ruhe für die nächste Runde planen. 
Mit den Leistungsträgern Linsmayer, Thiede, Achenbach und Olajengbesi wurde bereits verlängert, bleibt zu hoffen, dass sich die beiden Angreifer Adler und Blum auch entscheiden, am Hardtwald zu bleiben und nicht dem Beispiel Julian Schauertes folgen. „Ich möchte eine große Fluktuation im Sommer verhindern“, erklärte Schwartz, „und Blum sowie Adler sind enorm wichtige Spieler für den Verein“. Gerade ein Danny Blum, der in den letzten Wochen beim SVS regelrecht aufblüht und dessen Problem in der Vergangenheit die fehlende Kontinuität in seinen Leistungen war, wäre gut damit beraten, nicht zu früh zu viel zu wollen und dem SV Sandhausen noch eine Weile treu zu bleiben.

SV Sandhausen: Riemann – Zimmermann (81. Ulm), Olajengbesi, Schulz, Achenbach – Linsmayer, Tüting – Stiefler, Thiede (88. Hübner) – Adler (71. Jovanovic), Blum
FC St. Pauli: Tschauner – Ziereis (69. Schindler), Kalla, Gonther, Schachten – Buchtmann – Rzatkowski, Halstenberg – Maier (87. Trybull) – Nöthe (57. Gregoritsch), Verhoek
Tore: 1:0 Blum (50.), 1:1 Gonther (55.), 2:1 Adler (70.), 2:2 Schachten (76.), 2:3 Rzatkowski (78.). Gelbe Karten: Tüting – Kalla, Nöthe, Gonther; Schiedsrichter: Martin Thomsen; Zuschauer: 8050.

Montag, 17. März 2014

Ein Meilenstein Richtung Klassenerhalt [SVS – Bielefeld 1:0]

Der SV Sandhausen kann nach dem 1:0-Sieg über Bielefeld schon anfangen, für die nächste Zweitliga-Saison zu planen.

Bejubelt sein Tor des Tages: Nicky Adler
Quelle: kicker-online.de
Von einem richtungsweisenden Spiel war im Vorfeld der Partie gegen Arminia Bielefeld die Rede. Durch eine Niederlage gegen die auf dem Relegationsrang liegenden Bielefelder wäre die Luft am Hardtwald wieder dünner geworden. Nach dem knappen 1:0-Sieg über die Arminia sieht aber alles danach aus, als ob der SV Sandhausen auch nächste Saison zweitklassig bleiben wird. Die Erleichterung bei den Kurpfälzern war jedenfalls groß. „Das war ein Meilenstein Richtung Klassenerhalt“, jubelte Geschäftsführer Otmar Schork und Timo Achenbach ist sich sicher: „Wir lassen uns die Butter nicht mehr vom Brot nehmen“. Das wäre auch schwer vorstellbar. Zu groß ist der Abstand von neun Punkten auf die Abstiegsplätze, zu sicher steht die Abwehr. Schon das 13. Mal in dieser Saison verblieb der SVS ohne Gegentor. Es fehlen wohl nur noch zwei Siege zum endgültigen Ligaverbleib – und es stehen noch ganze neun Begegnungen auf dem Restprogramm.

Doch die drei Punkte waren an diesem Tag Schwerstarbeit. Und hätten die Sandhäuser nicht einen derart guten Torwart wie Manuel Riemann gehabt, der nach knapp einer halben Stunde bei einem Bielefelder Eckstoß den Kopfball von DSC-Kapitän Manuel Hornig in überragender Manier noch von der Linie kratzte und die Gästeführung verhinderte, wer weiß wie die Partie ausgegangen wäre. Stattdessen erzielte Nicky Adler auf der Gegenseite nach einem Achenbach-Freistoß das Tor des Tages (33. Minute). „Ein unglückliches Gegentor“, klagte Bielefeld-Coach Norbert Meier, „uns war vorher klar: Wenn du gegen die abwehrstarken Sandhäuser in Rückstand gerätst, wird es schwer.“
Dabei hatten die Hausherren, wie ihr Trainer Alois Schwartz zugab, „in den ersten 20 Minuten überhaupt nicht ins Spiel gefunden“, was auch durchaus damit zu tun gehabt haben könnte, dass die Sandhäuser sich in der ungewohnten Favoritenrolle wiederfanden. Nach dem Treffer durch Adler jedenfalls wurde es langsam besser, ein höherer Sieg war möglich. Doch Adlers nächster guter Versuch wurde von einem Bielefelder auf der Linie geklärt (41.), Schauertes Schuss prallte vom Innenpfosten wieder ins Feld (56.), und Blum traf nur das Außennetz und scheiterte im nächsten Anlauf an DSC-Keeper Ortega (76. und 85.). Während sich Bielefeld nach dem Gegentor in der ersten Halbzeit noch mit wütenden Angriffen wehrte, brachten die Gäste in der zweiten Spielhälfte offensiv überhaupt nichts mehr zustande. Trainer Meier bemängelte: „Wir haben zu stereotyp mit langen Bällen agiert und es dadurch nicht geschafft, den Gegner noch mal in Gefahr zu bringen“. Auf die Frage, was der SVS an diesem Tag besser als in den vier sieglosen Partien zuvor gemacht habe, antwortete Torwart Riemann knapp: „Wir haben heute kein Gegentor zugelassen“. Auch Trainer Schwartz war trotz mäßiger Leistung zufrieden: „In den letzten Spielen waren wir gleichwertig oder sogar besser als der Gegner, haben uns für unsere Mühen aber nicht belohnt“, sagte der 46-Jährige, „heute waren wir zwar etwas träge, haben aber gewonnen – und das ist die Hauptsache.“

Derweil gab es für Timo Achenbach trotz der Freude über drei Punkte Grund zur Klage. Der Linksverteidiger beschwerte sich im Namen der Mannschaft über die eines Zweitligisten unwürdigen Trainingsbedingungen im Walter-Reinhard-Stadion. Der Chef, Jürgen Machmeier, versprach Besserung: „Im April beginnen wir mit dem Bau des neuen Rasenplatzes, zur kommenden Runde ist er dann fertig“.
Während sich Nicky Adler, dessen Vertrag im Sommer ausläuft, mit seinem sechsten Saisontor für eine Verlängerung seines Kontraktes empfahl und gerne in Sandhausen bleiben würde, wird wohl auch mit Danny Blum verlängert. Dagegen wird Julian Schauerte den SV Sandhausen nach sechs Jahren zum Saisonende verlassen. „Das ist sehr schade, aber sein Charakter ist so stark, dass er bis zum 34. Spieltag alles in die Waagschale werfen wird“, sagte Schwartz. Eins versicherte der Fußballlehrer den Fans am Hardtwald: „Wir werden darum kämpfen, dass es im Sommer nicht zu so einer großen Fluktuation kommt wie letztes Jahr“.

Sandhausen: Riemann - Schauerte, Olajengbesi, Schulz, Achenbach - Tüting, Stiefler (84. Klotz), Thiede (77. Zimmermann), Linsmayer - Blum, Adler (87. Kister).
Bielefeld: Ortega - Appiah, Savic, Hornig (31. Hübener), Salger - Fießer, Riese (74. Müller) - Sahar (57. Przybylko), Schönfeld, Lorenz - Klos. Schiedsrichter: Dietz (Kronach); Zuschauer: 4100; Tor: 1:0 Adler (33.).